Bohne gegen Kapsel | Weltkaffee - Die faire Kaffeepause

Bohne gegen Kapsel

Edel und bequem oder doch teuer und bedenklich? Gegner kritisieren den Kaffee in Kapseln, die Müllberge und den Preis für die Konsumenten. Befürworter genießen Design und Geschmack auf Knopfdruck. Und laufend kommen neue Kapselprodukte auf den Markt.

Kaum zu glauben, aber die Markteinführung 1986 war ein Flop. Erst der Werbe-Einsatz des smarten George Clooney machte aus den Nespresso-Kapseln ein begehrenswertes Produkt. Das System „bequemer und exklusiver Kaffeegenuss“ ist seither kaum zu stoppen. In der Zwischenzeit sind längst andere Hersteller auf den Erfolgszug aufgesprungen. Und nach dem Auslaufen der Patentrechte muss sich Nestlé nun den Kaffee-Kuchen mit immer neuen Konkurrenten teilen.

Ein Land der Kaffeetrinker. Mit 2,9 Tassen täglich bzw. 162 Litern pro Kopf und Jahr zählt Österreich zu den Top 10 unter den europäischen Kaffeetrinkern.
Zwei Trends lassen sich aktuell auch in Zahlen ablesen: individueller Genuss und Nachhaltigkeit. Mehr als ein Drittel aller österreichischen Kaffeemaschinenbesitzer haben ein Kapsel-Gerät (2010 waren es noch knappe 16 Prozent). Gleichzeitig ist der Verbrauch von fair gehandeltem Kaffee im letzten Jahr um fast sechs Prozent gestiegen.
Generell hat sich das Konsumverhalten gewandelt: Kaffee ist nicht mehr reines Frühstücks- und Muntermacher-Getränk. Coffee-to-go-Shops boomen, der Außer-Haus-Konsum von Kaffee ist allein im letzten Jahr um zwölf Prozent gestiegen und für 85 Prozent der Österreicher/innen ist Arbeitspause unmittelbar mit Kaffee verbunden (Quelle: Öst. Kaffee- und Teeverband).

Mein persönlicher Kaffee. Die aktuellen Zahlen der GfK-Marktforschung zeigen auch deutlich, dass der Kapselmarkt in Österreich stark zunimmt. 32,1 Prozent aller Haushalte haben im vergangenen Jahr zumindest einmal Kaffee in Kapseln gekauft, im Jahr 2009 waren es noch 14,6 Prozent. Geht man davon aus, dass für den Konsum auch eine entsprechende Maschine vorhanden sein muss, kann man folgern, dass ein Drittel der österreichischen Haushalte Kaffee aus Kapseln trinkt.
Marktführer- was die Menge der verkauften Kapseln betrifft – ist Tchibo. Betrachtet man die Umsatzzahlen, hat Nespresso die Nase vorn. Dahinter folgen Tassimo (von Mondelez, früher Kraft Food), Martello (Hofer-Eigenmarke), Eduscho und Nescafe (Quelle: GfK/Consumer Panel Services).

Preiskampf auf hohem Niveau. Eine Nespresso-Kapsel kostet mindestens 35 Cent, Hofer liegt mit 20 Cent deutlich darunter. Dafür erhält der/die Kaffeetrinker/in ganze sechs Gramm Kaffee! Umgerechnet auf den Kilopreis kommt man also auf gut 58 Euro bzw. 50 und 34 Euro. Selbst wenn man beim Bohnenkaffee zu einer teureren Qualität greift, liegt der Kilopreis weit darunter. Umgerechnet auf den Jahresverbrauch macht die Differenz bei einem starken Kaffeetrinker schnell 200 bis 300 Euro aus.

Konkurrenz in der eigenen Maschine. Nach einem langen Streit um die Patente dürfen nun auch andere Hersteller Kapseln für die Nespressomaschine vertreiben. REWE/Billa, Spar und neuerdings auch Hofer machen sich dies zunutze. Sie liegen mit ihrem Angebot preislich deutlcih unter dem Original, haben aber laut diversen Tests noch geschmackliche und technische Kinderkrankheiten.

Kapselmüll wächst. Laut Auskunft der ARA (Altstoff Recycling Austria AG) fallen Kaffeekapseln nicht unter das Verpackungsgesetz, Hersteller sind also nicht verpflichtet, die Verpackung zurückzunehmen. Aufgrund der Verunreinigung und der verschiedenen Kunststoffarten der Kapseln ist ein Recycling unwirtschaftlich. Sie sind daher im Restmüll zu entsorgen. Ökotest.de hat für Deutschland errechnet, dass die jährlich weggeworfenen Kaffeekapseln aneinandergereiht eine Strecke von 60.000 Kilometern ergeben. Das ist die 1,5-fache Länge des Äquators. Auch wenn die einzelne Kapsel nur wenige Gramm wiegt, ergeben sich Tonnen von Müll.

Problemstoff Alu. Absolute Geschmacksneutralität verspricht Nespresso und argumentiert damit den Einsatz von Alukapseln. Die Tatsache, dass für die Herstellung von Alu große Mengen an Rohstoffen und Energie benötigt werden, findet man auf der Homepage nicht.
Laut Auskunft von Nespresso Österreich werden hierzulande 84 Prozent der Kapseln recycelt – die Rückgabe ist in den Geschäften, bei Handelspartnern oder in Altstoffsammelzentren möglich. Seit einem Jahr produziert ein Tiroler Recyclingunternehmen aus den Kaffeeresten Biogas und schmilzt die gebrauchten Kapseln zur Herstellung neuer Aluminiumprodukte ein.
Die Behauptung von Nespresso, dass beim Recycling im Vergleich zur Herstellung von Aluminium 95 Prozent Energie gespart würde, wurde von Schweizer Experten allerdings widerlegt. Die Materialprüfungs- und Forschungsanstalt spricht von 83 Prozent, wobei die Reinigung von Kaffeerückständen ncoh nicht berücksichtigt ist (vgl. www.global2000.at).

Abbaubare und nachfüllbare Kapseln. Neue Wege beschreitet seit zwei Jahren die Ethical Coffee Company. Deren Kapseln sind „aus nachwachsenden Rohstoffen, größtenteils Pflanzenfasern und Stärke, gefertigt und kompostieren sich innerhalb von sechs Monaten nach Gebrauch“.
Müll vermeiden und Geld sparen sollte man auch mit wiederbefüllbaren Plastikkapseln, wie sie die niederländische Firma Coffeeduck anbietet. Sie sind – so wie die abbaubare Variante – zum Gebrauch in der Nespressomaschine (ausgenommen Geräte mit automatischem Kapseleinzug) geeignet. Tests in einschlägigen (z.B. www.kapsel-kaffee.net) attestieren problemlose Handhabung. Beim Befüllen ist etwas Erfahrung notwendig, besonders was die richtige Menge anbelangt. Preisersparnis und Geschmack sind je nach eingefülltem Kaffee unterschiedlich.
Aus Frankreich kommt das System „Capsul’in“, die Packung erhält zu den Plastikdosen runde Verschlussteile zum Aufkleben (www.capsul-in.com).
Mit dem Preis „Swiss Innovation 2012“ und einem „Sehr gut“ im Öko-Test-Magazin 10/2013 ausgezeichnet wurde die erste wiederbefüllbare Kapsel aus Edelstahl (www.my-coffeestar.de). Laug eigenen Angaben liegt die Preisersparnis gegenüber Nespresso-Kapseln bei 470 Euro im Jahr.

Fairtrade und bio. Noch nicht lange auf dem (Internet-) Markt sind die kompostierbaren und mit Fairtrade-Kaffee befüllten Kapseln „beanarella“ der Swiss Coffee Company AG (www.beanarella.de). Aber auch die großen Marken beginnen langsam damit, einzelne Sorten mit dem Siegel „Fairtrade“ oder“bio“ anzubieten.

Auch Tee wird verkapselt. Die Prämissen „individuell und einfach“ gelten neuerdings auch für Tee. Weig weg von Teezeremonien, aufbrühen und ziehen lassen, versorgt etwa „Teekanne“ die Nespressomaschinen mit „Easy Tea“. Andere Anbieter folgen. Die Konsumenten stehen diesen Produkten allerdings (noch) skeptisch gegenüber. Es bleibt abzuwarten, ob sich in Zukunft die Teekapseln neben den Kaffeekapseln stapeln werden – zuerst in der Küche und dann auf den Müllhalden.

Quelle: Kirchenzeitung, Autorin: Brigitta Hasch
Quelle Fotos: Quelle: Paulista – Fotolia.com/Food photo – Fotolia.com